Causerie?

Die Causerie (v. lat.: causa = (Ur-)Sache; frz.: causer = plaudern) ist eine unterhaltsame Plauderei in literarischer oder geselliger Gestalt. Zumeist handelt es sich um kurze, informelle essayistische Arbeiten bzw. Vorträge. Überwiegend geht es um gesellschaftliche, journalistische oder literarische Themen.


Der im 19. und 20. Jahrhundert europaweit geläufige Ausdruck stammt ursprünglich von einer berühmten Essay-Sammlung des französischen Autors und Literaturkritikers Charles-Augustin Sainte-Beuve (1804-1869) betitelt "Causeries du lundi". Diese damals 28 Bände umfassende Kollektion erschien zunächst stetig 1849-1869 in einer wöchentlichen Kolumne von jeweils etwa 3000 Worten. In der heutigen Nachfolge der journalistischen Causerie stehen z.B. Das Streiflicht der Süddeutschen Zeitung und das Politische Feuilleton im DeutschlandRadio Berlin. In Buchform sind mustergültig einige der Bücher Sir Peter Ustinovs und die literaturkritischen Arbeiten Marcel Reich-Ranickis dem zuzuordnen. Im Internet entsprechen dem die anspruchsvolleren unter den Blogs (Internet-Tagebücher).

 

hb causerie 1109

 

Die Bregenzerwälder haben Sinn für Geschichte. Im Bahnhof Andelsbuch beschäftigen sich angesehene Wälder Künstler mit dem Schoppernauer Rebellen Franz Michael Felder, Willi Meusburger arbeitet den Konflikt zwischen Kasinern und Liberalen rund um Gebhard Wölfle auf und das Kulturforum  bringt Lebens- und Leidensgeschichten von behinderten Bregenzerwäldern, die zwischen 1938 und 1945 der NS-Euthanasie zum Opfer gefallen sind, wieder ans Tageslicht.
Mich, Hans Bach, geboren 1555 in Andelsbuch, interessiert aber vor allem meine Zeit, die Zeit der Landamänner, der Reformatoren und Häretiker. Eine Zeit in der, wer nicht auf die `rechte Art´ glauben wollte, am Schafott oder auf dem Scheiterhaufen landete, in der Hungernden, die aus Not ein Huhn gestohlen hatten, die Hand abgehackt wurde, in der ganze Familien als Leibeigene wie die Kühe verkauft wurden.
Nun kam mir zu Ohren, dass sich in Vorarlberg die Mär breit gemacht hat, diese meine Zeit im Bregenzerwald sei eine Art goldenes Zeitalter – eine Republik freier Bregenzerwälder -  ja gar die erste Demokratie überhaupt gewesen. Ein Vorarlberger Historiker sang da jahrzehntelang kaum widersprochen ein Hohelied auf das mittelalterliche Wälderparadies, das in Wahrheit für die meisten ein Jammertal war.

Jetzt gibt es zum Glück einen außergewöhnlichen jungen Mann aus Au, der mit diesem Unsinn kräftig aufräumt.  In seiner Dissertation, die auch in Buchform erschienen ist, arbeitet er die Strukturgeschichte des Bregenzerwalds akribisch auf. Dabei muss Vorarlberg leider Abschied nehmen von der romantischen Vorstellung einer unabhängigen Bregenzerwälder Bauernrepublik.

Denn: Landamannkandidat konnte hier nur ein wohlhabender Landherr werden, dem die Feldkircher Grafschaft wohlgesonnen war. Wählen durften nur Gutsbesitzer, von denen die meisten in Abhängigkeit zu einem der Kandidaten standen (also keine Knechte, Landarbeiter oder gar Frauen). Gewählt wurde öffentlich auf einem Feld in Andelsbuch. Das Wahlvolk befand sich in der Mitte des Felds, die vier Kandidaten in je einer Ecke. Die Wahlberechtigten hatten einer nach dem anderen in die Ecke des jeweils Bevorzugten zu gehen.
Ich kann euch versichern, es ging keiner, wohin er nicht hätte gehen sollen.

 

hans bach empfiehlt:
Mathias Moosbrugger - Der Hintere Bregenzerwald – eine Bauernrepublik?
 

hb causerie 0410

 

Das Narrendasein hat hans bach schon unglaubliche, ja unerhörte, nein, absolut ungehörigste Freuden bereitet. Doch am wichtigsten an der ganzen Sache ist dem alten hans noch immer seine inzwischen sprichwörtlich gewordene Narrenfreiheit. Die kann man nämlich wunderbar dazu nutzen, Dinge auszusprechen, die zwar wahr, wichtig und nötig sind, die aber trotzdem irgendwie keiner hören will. 

Inzwischen weiß jeder, dass unser lieber Planet ein bisschen allergisch darauf reagiert, dass wir seine Atmosphäre mit CO2 vollpumpen, seine Regenwälder abholzen, die Meere ausfischen und über Jahrtausende gewachsene Natursysteme ruinieren. Das macht ihn ein wenig fiebrig. Doch außer der supercleveren Werbewirtschaft mit ihren Slogans wie `Act now´, `Change the world´ oder wieder einmal das gute alte `Save the planet´ hat in Wahrheit keine Sau (Entschuldigung?!) wirklich reagiert. Im Gegenteil, der globale Energieverbrauch und die Verbrennung fossiler Energieträger nehmen so stark zu wie noch nie. Und hans bach kennt absolut niemanden, der sein Auto verkauft hat und nur mehr mit den Öffis fährt. Doch genug der Beschwerde. 

hans bach hat eine Vision. Er sieht Windräder. Und Solaranlagen. Im Bregenzerwald.


So viele Windräder und Solaranlagen, dass der Bregenzerwald damit seinen gesamten Energieverbrauch über das Jahr abdecken kann. 
Von Bregenzerwäldern finanzierte Anlagen, die die Region in Zukunft unabhängig von der Willkür globaler Energiekonzerne und ihren von Pokerspielern und Heuschrecken mitbestimmten Börsenkursen macht.

hans bach sieht auch die natürlichen Feinde eines solchen Projekts. Die Schöngeister und Pseudo-Umweltschützer, die sich über die Verschandelung der Landschaft durch Windräder beschweren. Die Wirtschafter und Politiker, die ihre Pfründe gefährdet sehen und so ein Projekt von vornherein als unmöglich und nicht finanzierbar abtun, ohne sich auch nur einen Gedanken über die reale Umsetzung zu machen. Die Stammtischler, die reflexartig die `grünen´ Spinner in die Hölle verdammen. 

Aber hans bach erkennt auch viele offene Menschen mit gesundem Menschenverstand, die über den Tellerrand blicken können. Vielleicht wird auch ihnen klar, dass wir hier einen Raum schaffen können, der sich unabhängig mit Energie versorgt und die Preise demokratisch selbst bestimmt. Die Finanzierung solcher Anlagen ist eine große Aufgabe, keine Frage. Doch die Instandhaltungskosten sind äußerst gering. Die Sache lohnt sich am Ende, glaubt mir. Schaut euch den Film `Die 4.Revolution´ an. 

hans bach fordert:
Bauen wir eine energiewirtschaftliche Vorbildregion. Ein kleines gallisches Dorf mitten in Europa.

Es lebe die bregenzerwälder Energierepublik!

 

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hb causerie 0710


Gebt es endlich zu. Es macht keinen Sinn, noch länger zu leugnen. Er war der Größte. Nicht Beckenbauer, dieser Schrebergartenkicker, nicht Kukidentlächler Pelè, nicht Franzenrammbock Zidane, sondern er: Der Junge, das Kind, der Kleine, el Pibe. Diego Armando Maradona, das Genie.


In Südafrika gab es viele gute Spiele, viel Spannung und gute Kombinationen, aber ein Glanzstück wie damals, als Diego Maradona die englische Abwehr mit dem genialsten aller Solos und seinem göttlichen Händchen in zwei Zügen schachmatt setzte, das hat hans bach seit Erfindung der Sportübertragung kein zweites Mal gesehen. Maradona war nicht talentiert, nein, er war begnadet.

Und trotzdem gibt es ungewöhnlich viele Menschen, die den kleinen Argentinier einfach nicht leiden können, ihn sogar abgrundtief hassen. Denn Maradona hatte seinen Willen zum Torerfolg derart verinnerlicht, dass er, wenn nötig, wie von selbst die Hand zum Abschluss gebrauchte, ohne auch nur  eine Millisekunde zu überlegen. Seine Hand schien geführt, und die Erklärung dafür gab er gleich nach dem Spiel selbst: Es waren der Kopf Maradonas und die Hand Gottes.

Damit hatte er eine Grenze überschritten. So etwas mögen sie nicht, Diego. Ein Genie, das sich mit Gott identifiziert, sei es im Scherz oder auch nicht, das klingt nach Anmaßung, ja nach Gotteslästerung. Oder noch schlimmer: nach Jesus und Messias. Und dann auch noch dieses unmoralische Leben: Drogensucht, Fresssucht, allerlei kuriose Aktionen und eine innige Freundschaft mit Fidel Castro. Ein Mensch, der so genial ist, dass er sich um die Regeln des gewöhnlichen Fußvolks nicht zu scheren braucht, das schreit nach Kreuzigung!

Doch Maradona ist immer wieder auferstanden, und er wird es wieder tun. Denn auch als Trainer ist er trotz höhnender Stimmen nicht der Schlechteste, dieser Hundling. hans bach jedenfalls lässt jetzt den Fussball vier Jahre lang ruhen und freut sich dann auf den neuen Weltmeister Argentinien. Gottes Hand wird ihn führen, da kann nicht einmal Paul was dagegen ausrichten.

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hb causerie 1011

Demokratie ist lustig. Dieser Satz ist nicht auf dem Mist von hans bach gewachsen, sondern in Fett und Filz des genialen Joseph Beuys. Dabei ging es zu Beuys Zeiten in der Politik ja noch verhältnismäßig integer zu.

Wirklich spritzig-witzig ist die Demokratie aber erst heute geworden: Beim deutschen Finanzminister zum Beispiel knallen gerade die Sektkorken, weil 55 verloren gegangene Milliärdchen plötzlich wieder aufgetaucht sind. Hei, was für eine Gaudi! Und jetzt die Pointe: Es hatte eigentlich gar niemand bemerkt, dass das Geld überhaupt weg war. Ein Brüller. Da haben wir nochmal Schwein gehabt. Bei einem Rettungsschirm in der Höhe von – derzeit – 440 Milliarden Euro (hans bach gibt keine Gewähr dafür, dass diese Zahlen morgen noch stimmen) können einem ja mal ein paar Zerquetschte durch die Lappen gehen. 

Derweil reibt sich Silvio in Rom schon die Hände. Wenn Schäuble ein wenig vom Neugewonnenen springen lässt (und das wird der liebe deutsche Onkel schon machen wenn`s brenzlig wird), dann kommen die Italiener wieder ein paar Wochen über die Runden. Und drei, vier Partys mit den Mädels gehen sich auch noch locker aus. Das wird ein Spaß!

Apropos Sex: Derzeit wird die Vergewaltigungsaffäre des ehemaligen Chefs des Internationalen Währungsfonds, Dominik Strauss-Kahn, als Porno verfilmt. DSK selbst darf aber nicht mitspielen, weil ihm momentan die Verwicklung in einen Callgirl-Ring vorgeworfen wird und er sich lächerlicherweise wieder mit der Justiz beschäftigen muss. Haben die denn überhaupt keinen Humor? Wenigstens wurde die zweite, natürlich ebenfalls völlig ungerechtfertigte Vergewaltigungsklage gegen ihn (wegen Verjährung) fallen gelassen.

Unsere globalen Spitzenpolitiker lassen sich also so einer kleinen Wirtschaftskrise nicht den Spaß verderben . Einfach immer feste weiter lächeln und dann wird`s schon werden. hans bach findet das alles andere als lustig.


Wer jetzt aber glaubt, dass hans bach die Demokratie nicht schätzt, der ist auf dem völlig falschen Dampfer. Im Gegenteil ist er davon überzeugt, dass Demokratie die einzig richtige und gute Staatsform ist. Doch wenn die hart erkämpfte Volksherrschaft von angeblichen Demokraten derart dekadent verspielt wird und die Verantwortlichen auch noch ungeschoren davon kommen, dann tappen wir möglicherweise bald in eine moderne Form der Diktatur. Drum passt auf und lasst euch nicht verführen.

 

 

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